wiespaten_dankeschoenfest_2016_rathaus_wiesbaden_urkunden_verleihung_panorama_bild4Zum Hintergrund von WiesPaten.

WiesPaten verfolgt einen bisher in Deutschland einzigartigen Ansatz, Bildungsförderung mit Unternehmensengagement zu einem ganzheitlichen Förderansatz zu verbinden.

Entstanden ist WiesPaten aus dem Projekt „Förderunterricht für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund“, das an der Universität Essen im Auftrag der Stiftung Mercator entwickelt und seit 2004 an Standorten in ganz Deutschland etabliert wurde. Ziel dieses Projekts war und ist die gezielte Unterstützung von Kindern und Jugendlichen aus Familien mit Zuwanderungsgeschichte durch einen besonderen Deutsch-Förderunterricht in festen Gruppen von 4 bis 7 Schülerinnen und Schülern. Standorte der Fördergruppen sind Schulen und Freie Träger der Jugendhilfe. Gestaltet wird der Förderunterricht von studentischen Lehrkräften, die durch eine besondere Begleitung auch im Rahmen ihres Lehramtsstudiums von dem Projekt profitieren.

In Wiesbaden bestehen nach diesem Konzept seit 2005 bis heute ca. 30–35 Fördergruppen, seit 2013 finanziert durch die Kommune, nachdem die Förderung durch die Stiftung Mercator auslief. Die vom europäischen forum für migrationsstudien (efms) 2009 vorgestellte Evaluation des Projekts „Förderunterricht“ belegt die positiven Wirkungen dieses Ansatzes: Die Teilnehmenden konnten ihre schulischen Leistungen deutlich verbessern, die studentischen Lehrkräfte profitierten ebenfalls im Hinblick auf ihr Studium von dem Projekt.

Vom „Förderunterricht“ zu „WiesPaten“.

Die Initiative WiesPaten baut auf dem Modell „Förderunterricht“ auf und erweitert den Ansatz durch die gezielte Einbindung von Unternehmensengagement: Der regelmäßige Förderunterricht in der Kleingruppe wird im Rahmen von WiesPaten durch die Patenunternehmen finanziert und inhaltlich ergänzt durch Angebote, bei denen die Kinder und Jugendlichen und „ihr“ WiesPaten-Unternehmen gemeinsam aktiv werden. So erhalten die Jugendlichen Kontakt zu engagierten Erwachsenen, die sich für sie und ihre Lebenswelt interessieren, und erhalten Einblick in ihre Patenunternehmen.

Auf diese Weise wird der Fokus von Sprachkompetenz Deutsch und der Verbesserung schulischer Leistungen erweitert auf eine ganzheitliche Förderung. Die teilnehmenden Jugendlichen sollen ihre Stärken erkennen und in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gefördert werden. Über den intensiven Kontakt zu den Patenunternehmen kann auch das Thema Berufsorientierung bearbeitet werden, z.B. durch spezielle Bewerbungstrainings, Betriebsbesichtigungen und Praktika. So fördert WiesPaten nicht zuletzt auch einen erfolgreichen Übergang von der Schule in die Berufsausbildung.

Start der Initiative in 2009 mit vier „Pionieren“.

wiespaten-pioniere_unternehmen_2009_montage_400x164Entwickelt und erprobt wurde das WiesPaten-Konzept durch das Corporate-Citizenship- und CSR-Netzwerk UPJ e.V. im Auftrag des Wiesbadener Amtes für Soziale Arbeit. 2011 wurde das Projekt an das Amt für Soziale Arbeit übergeben. Seitdem liegt die Koordination des Programms beim CC-Servicebüro.

Im Jahr 2009 wurde das WiesPaten-Modell zunächst mit vier Pionierunternehmen erprobt und auf Basis ihrer Erfahrungen weiterentwickelt. Die Firmen Huhle und Baumstark sind bis heute als aktive Patenunternehmen Teil der Initiative.

Weiterentwicklung des Programms seit 2010.

Seit dem offiziellen Start im Jahr 2010 wird das Konzept von immer mehr Patenunternehmen mit Leben erfüllt. Im Schuljahr 2016/17 sind es 16 Firmen mit insgesamt 18 WiesPaten-Gruppen.

Die Zielgruppe der Jugendlichen wurde inzwischen erweitert, sodass das Merkmal „Migrationshintergrund“ nicht mehr im Vordergrund steht. Heute nehmen  ganz selbstverständlich auch Schülerinnen und Schüler aus Familien ohne Zuwanderungsgeschichte an WiesPaten teil, sofern sie einen entsprechenden Förderbedarf haben. Die Inhalte des WiesPaten-Förderunterrichts beziehen sich nicht mehr ausschließlich auf das Fach Deutsch, sondern werden stark am individuellen Bedarf der teilnehmenden Jugendlichen ausgerichtet. Das neue Modul WiesPaten International führt die WiesPaten-Gruppen seit Herbst 2014 auch ins europäische Ausland.