Foto: WiesPaten

„WiesPaten ist einfach eine tolle Initiative“, sagt Schirmherrin Elisabeth Ganss. Im Interview erklärt sie, warum das WiesPaten-Programm bundesweit einmalig ist. Zum Start des Schuljahres hat sie zudem gute Neuigkeiten.

Frau Ganss, Sie sind seit sieben Jahren Schirmherrin der WiesPaten. Was ist Ihnen in dieser ehrenamtlichen Position wichtig?

WiesPaten hat einfach ein schlagendes Konzept. Die Verknüpfung von Schulen und Unternehmen zur Förderung unserer Schülerinnen und Schüler ist nicht nur für die davon profitierenden Jugendlichen gut, sondern langfristig ein wesentlicher Beitrag zu mehr Chancengleichheit. Daher stelle ich mich gerne als aktive Schirmherrin in den Dienst der WiesPaten. Ich bringe mich in die strategische Ausrichtung ein, fördere die Vernetzung aller Akteure und versuche auch einen Beitrag zur Gewinnung neuer Unternehmen zu leisten.

Es gibt verschiedene Programme und Initiativen, die Kinder und Jugendliche unterstützen, ihre Schullaufbahn zu meistern. Was ist das Besondere an WiesPaten?

Foto: WiesPaten

Schirmherrin Elisabeth Ganss beim Rathausempfang zur trinationalen Jugendbegegnung „SnapShot“ im Juni 2017.

WiesPaten ist einfach eine tolle und sehr nachhaltige Initiative. Der Ansatz, den wir verfolgen, ist einmalig in Deutschland. Unsere Unternehmen sind Patenunternehmen im klassischen Sinne. Sie finanzieren nicht nur den WiesPaten-Unterricht, der in kleinen Gruppen stattfindet und von studentischen Lehrkräften gehalten wird. Die Patinnen und Paten aus den Unternehmen werden gemeinsam mit ihren WiesPaten-Schülerinnen und-Schülern aktiv. Man kann sagen, WiesPaten verbindet Bildungsförderung mit Unternehmensengagement.

Wie wird dieser Ansatz von WiesPaten mit Leben gefüllt?

Die Kinder und Jugendlichen nehmen am WiesPaten-Unterricht teil. Er ist der Kern unserer Aktivitäten. Aber weil sich die Unternehmen nicht nur finanziell engagieren, eröffnen sich den Jugendlichen weitere Möglichkeiten und Perspektiven. Sie besuchen beispielsweise die Unternehmen, es gibt gemeinsame Ausflüge und Feste,  manche Unternehmenspaten beraten zu Bewerbungen oder geben Tipps für Assessment-Center. Davon profitieren unsere WiesPaten-Schüler. Die studentischen Lehrkräfte halten die Verbindung zum Unternehmen und profitieren von einer besonderen Begleitung im Rahmen ihres Lehramtsstudiums. In Vorbereitung auf das neue Schuljahr organisieren wir für sie verschiedene Weiterbildungen, z.B. zu „Methoden kreativer Unterrichtsgestaltung“ oder zu rechtlichen Fragen im Hinblick auf Kindeswohl und Aufsichtspflicht.

Wenn Sie zurückblicken: Was ist in den vergangenen Jahren erreicht worden?

WiesPaten existiert nun schon seit 2009. Wir haben das Programm sukzessive erweitert. Bei den Jugendlichen, die kontinuierlich am Programm teilnehmen, beobachten wir eine Verbesserung der schulischen Leistungen und – was uns sehr wichtig ist – auch eine Stärkung der sozialen Kompetenzen und des Selbstbewusstseins. Wenn ich mit den verschiedenen WiesPaten-Akteuren ins Gespräch komme, dann höre ich oft, dass es sich lohne bei den „WiesPaten“ dabei zu sein. Zudem macht es mich wirklich glücklich, dass wir den Schritt in die Internationalität geschafft haben.

Sie meinen „WiesPaten International“?

Foto: WiesPaten

Seit 2014 waren mehr als 130 WiesPaten-Schülerinnen und -Schüler auf Reisen.

Ja. Im Herbst 2014 haben wir zum ersten Mal WiesPaten-Gruppen auf die Reise geschickt. „WiesPaten International“ bietet den Jugendlichen die Möglichkeit, eine Woche in den Ferien im europäischen Ausland zu verbringen und an internationalen Jugendbegegnungen teilzunehmen. Begleitet werden die Jugendlichen von ihren WiesPaten-Lehrkräften und einer pädagogischen Leitung. Oft sind auch Patinnen und Paten aus den Unternehmen dabei. Die Reisen haben die über 130 Teilnehmer bislang nach England, Polen, Spanien, Slowenien, Wales und Griechenland geführt. Für 2017 haben wir zum ersten Mal sogar eine tri-nationale Begegnung mit spanischen und französichen Jugendlichen organiseren können. Der Besuch in Bordeaux steht für Oktober auf dem Plan.

Dieses außergewöhnliche Angebot können wir nur mit Hilfe verschiedener internationaler Förderprogramme und mit Unterstützung der Landeshauptstadt Wiesbaden und der Patenunternehmen realisieren. Der hohe finanzielle und organisatorische Aufwand lohnt sich aber definitiv: Die Mobilitäts- und Sprachkompetenz der Jugendlichen wird gestärkt. Die Erfahrungen im Ausland lassen nicht zuletzt auch das Selbstvertrauen wachsen.

Gibt es Momente, Veranstaltungen oder gemeinsame Aktionen, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

Foto: WiesPaten

Das WiesPaten Sommerfest 2017 – wieder mit dem Wettstreit aller WiesPaten-Gruppen.

Ja, da gibt es Einiges! Ich greife hier einmal ein Beispiel heraus: Ein Höhepunkt in jedem Jahr ist unser großes gemeinsames Fest – wir feiern jeweils im Wechsel ein Dankeschönfest im Winter oder das Sommerfest. 2017 war das Sommerfest dran – mit rund 180 Gästen. Der Wettstreit aller WiesPaten-Gruppen fordert Teamarbeit der Jugendlichen mit ihren Patinnen und Paten aus den Unternehmen und ist ein großer Spaß für alle Beteiligten.

Was erwartet die WiesPaten im neuen Schuljahr?

Ich freue mich sehr darüber, dass alle Patenunternehmen ihre Patenschaft auch für das neue Schuljahr weiterführen werden. Wir haben mit der Versicherungsstelle Wiesbaden sogar wieder ein neues Unternehmen gewinnen können, so dass wir nun 19 aktive Gruppen in 10 Einrichtungen haben. Bei den Lehrkräften gab es aufgrund der Tatsache, dass eine Reihe der bisherigen Teammitglieder studiumsbedingt ausgeschieden sind 9 Neuzugänge. Ich bin schon gespannt, welche neuen Ideen und Impulse sich für die Gestaltung des WiesPaten-Unterrichts aus dem Austausch zwischen etablierten und neuen Lehrkräften ergeben werden. Einige Unternehmen erhalten neue Patengruppen, da die bisherigen die Schule abgeschlossen haben, so dass hier erst einmal wieder das Kennenlernen im Vordergrund der gemeinsamen Aktionen steht.

Welche Ziele verfolgen Sie und alle Beteiligten für WiesPaten perspektivisch?

Foto: WiesPaten

Von WiesPaten profitieren alle: Jugendliche, Lehrkräfte und Unternehmen.

Ein Ziel ist es, unser Angebot zu verstetigen. Wir wollen dafür sorgen, dass die Möglichkeiten des internationalen Jugendaustauschs noch effizienter im Interesse unserer Schülerinnen und Schüler genutzt werden können. Der enorme Aufwand, der dahinter steht, wird leicht unterschätzt. Wir streben zudem an, die Vernetzung der Patenunternehmen zu intensivieren. Daraus ergeben sich für die Jugendlichen weiterführende Optionen – vor allem im Hinblick auf Schülerpraktika und Ausbildungsplätze. Es freut mich besonders, dass ein WiesPaten Schüler im Herbst 2017 die Ausbildung zum Chemikanten in einem unserer Patenunternehmen beginnen wird. Und natürlich sind wir ständig auf der Suche nach Unternehmen, die sich als WiesPaten engagieren wollen – zum Nutzen der Jugendlichen, aber auch zum eigenen Vorteil: Denn WiesPate sein ist gelebtes bürgerschaftliches Engagement, das nach außen und innen wirkt.

Interview: Karoline Deissner.

Hier geht’s zur Übersicht aller aktuellen WiesPaten-Gruppen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.